- Geburtserleichterung: eine altbewährte Methode
Die Geburt eines Kindes ist seit jeher ein herausragendes Ereignis im Leben einer Frau und im Erleben einer Partnerschaft. So ist die Geburt eines Kindes der Beginn eines neuen Lebenszyklus sowohl für das Kind als auch für eine Familie. Ueber die Geburtshilfe der Frühzeit weiss man bisher wenig, aber bei vielen Naturvölkern findet man Beispiele für einfaches geburtshilfliches Handeln aus Felsmalereien und Statuen.
Die Hebamme wird bereits im Talmud um 5'700 v. Chr. zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Auch im alten Rom genossen die Hebammen hohes Ansehen. Sie hatten Kenntnisse in Pharmazie und Chirurgie und arbeiteten Hand in Hand mit den Aerzten.
Eine herausragende Persönlichkeit des Alten Roms war der Gynäkologe und Geburtshelfer Soranus von Ephesus (98 bis 138 n. Chr.), welcher das erste wissenschaftliche Werk über die Gynäkologie und Geburtshilfe verfasste. In seinem Werk „Gynäkologie“ beschrieb Soranus nach heutigen Standards den Geburtsverlauf und leitete die Hebammen in geburtshilflichen Methoden an. Insbesondere führte Soranus die Methode der Geburtserleichterung durch Olivenöl ein, welche die Geburt massgeblich erleichterte und sicherer für Mutter und Kind machte. Soranus lehrte nicht nur schon zu seiner Zeit eine moderne Geburtshilfe, sondern er führte auch noch andere heute verwendeten Methoden in die Geburtshilfe ein.
Mit dem Zerfall des Römischen Reiches ging das Wissen um die Geburtserleichterung jedoch grösstenteils verloren. In der Folge ging die Geburtshilfe im Mittelalter in die Hände sogenannter "Weiser Frauen" über, welche den Frauen bei der Geburt beistanden.
Das erste deutsche geburtshilfliche Werk, das sich an Frauen richtete, die des Lesens kundig waren, erschien 1513 und festigte den Stand der Hebammen. Um 1800 entstanden eigentliche Gebäranstalten, in denen vor allem arme und ledige Mütter entbunden wurden. Dr. Ignaz Semmelweis führte damals gegen den Widerstand seiner Kollegenschaft die ersten hygienischen Massnahmen ein, wie z.B. das Händewaschen, das Auskochen der Instrumente und die Desinfektion. Durch diese Massnahmen konnte die damals sehr hohe Sterblichkeitsrate der Mütter durch das Kindbettfieber erfolgreich reduziert werden und liess die Gebäranstalten als sicher gelten und deren Ansehen steigen. Nun wurde die Entbindung im Spital auch für reiche Bürgerinnen attraktiv.
Damit verlagerte sich auch das Arbeitsfeld der Hebammen zusehends ins Spital. Der Höhepunkt der klinischen Spitalgeburt fand sich in den 1960-iger und 1970-iger Jahren. Die Geburt wurde eine ärztliche Angelegenheit, war technisiert und fand unter sterilen Bedingungen statt. Hierdurch konnte die Geburt für Mutter und Kind massgeblich sicherer gemacht werden und insbesondere die Sterblichkeit dramatisch reduziert werden. Doch in der kühlen und sterilen Umgebung kamen die Bedürfnisse nach Geborgenheit und Wärme zu kurz; hierdurch gewann die Hausgeburt in den folgenden Jahrzehnten wieder an Bedeutung. Heute hat sich das Aufgabenfeld der Hebamme ausgeweitete auf die ergänzende Betreuung der Frauen vor, während und nach der Geburt.